Hilfsprojekt der Stadtteilschule Horn angesichts der Jahrhundertflut in Bosnien-Herzegowina

10637965_10153105611749167_616161719_nIm Mai 2014 gab es in Bosnien eine verheerende Jahrhundertflut. Die Menschen in Bosnien mussten fast 20 Jahre nach Ende des Bürgerkrieges noch einmal von Null anfangen. Für die Schüler und Mitarbeiter der STS Horn war schnell klar – wir möchten helfen.

Pakete für Bosnien

Direkt nach der Nachricht über die Flut sprachen mich einige Schüler an, ob wir nicht als Klasse einen Karton für Bosnien aufstellen könnten. Gesagt, getan. Alle meine Klassen schlossen sich der Aktion an und stellten einen Karton auf, den sie in Rekordgeschwindigkeit mit lebensnotwendigen Spenden füllten. Ich war überwältig von der Hilfsbereitschaft unserer Schüler, welche häufig selbst aus sozial schwachen Verhältnissen stammen. Natürlich griffen wir das Thema in Religion und Gesellschaft auf und besprachen Fragen wie beispielsweise: „Wie fühlt es sich an zu helfen?“, „Wann wurde mir einmal geholfen?“, oder „Gab es bei uns in Hamburg schon einmal eine Flut?“ Was sich daraus entwickelte, hätte keiner erwartet. Die Flut in Bosnien löste innerhalb unserer Schülerschaft eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Plötzlich standen weitere Schüler vor dem Klassenraum und wollten Spenden abgeben. Das Ganze gewann an Eigendynamik. Kurzerhand schaltete sich das Service-Learning Team ein. Es organisierte Kartons, verteilte sie in den Klassenräumen, beschriftete sie mit notwendigen Informationen und gestaltete Infoplakate. Klassen richteten Spendentische in ihren Räumen ein. Unsere Schüler haben an alles gedacht: haltbare Lebensmittel wie Dosengemüse, Reis, Nudeln, Mehl, Babynahrung, Hygieneartikel wie Waschmittel, Reinigungsmittel, Shampoo, Zahnpasta, Zahnbürsten, Pampers, Nuckelflaschen, Pflaster, Kerzen, Decken und vieles mehr. Insgesamt kamen so vier Wagenladungen zusammen, welche ich zu der Sammelstelle IKZ Hamburg (Horner Brückenweg 6, 22111 Hamburg) brachte. Dort wurden die Spenden verladen und direkt an Bedürftige in den Städten Maglaj, Doboj und Sanski Most übergeben.

Musical für Bosnien

Über die Paketaktion hinaus erklärte sich unser Musiker-Team bereit, den Reinerlös des jährlichen Schul-Musicals zu Gunsten der Flutopfer in Bosnien zu spenden. An drei Abenden gaben unsere Schüler und Kollegen alles, um ein perfektes Musical zu gestalten. Die Klasse 5c verkaufte Schnittchen gegen freiwillige Spenden. Auch der Erlös von Autogrammkarten floss in die Bosnien-Fluthilfe. Insgesamt kam so eine Summe in Höhe von 3126,05 € zusammen, welche den Flutopfern der Stadt Prijedor zu Gute kam.

Herr Schmidt-Landmeier fuhr nach Bosnien und machte sich ein Bild von der Lage. Er brachte einen Bautrockner und ein Set aus Wasserpumpe mit Wasserschlauch und Anschlüssen nach Prijedor. Hiervon profitiert bis heute ein ganzer Straßenzug entlang des Flusses Sana. Darüber hinaus hatte er acht prall gefüllte Schultaschen für besonders betroffene Schüler, welche ihr gesamtes Hab und Gut verloren hatten, im Gepäck.

Später fuhr ich nach Bosnien. Wir beschlossen die verbliebenen Gelder dazu zu nutzen, den Menschen individuell vor Ort zu helfen. Schnell war klar, dass es zwei Familien besonders hart getroffen hatte. Die erste Familie bestand aus drei minderjährigen Waisenkindern, deren Eltern einige Monate vor der Flut in kurzem Abstand nacheinander an Krankheiten verstorben waren und deren Haus komplett geflutet wurde. In Absprache mit der Betreuerin der Kinder besorgte ich Lebensmittel, Hygieneartikel, Wandfarbe, Fliesen, Fliesenkleber, Kinderschuhe und Schulmaterial.

Die zweite Familie bestand aus Eltern, fünf Kindern und ihrer sehr alten Großmutter, deren Haus ebenfalls komplett unter Wasser gestanden hatte. Schnell war klar, dieser Familie wurde alles genommen. Also kaufte ich ebenfalls Fliesen, Fliesenkleber, Wandfarbe, Schulmaterial, Schuhe, Unterwäsche, Lebensmittel und einen Herd. Darüber hinaus bekamen auch weitere Personen Hilfeleistungen – je nachdem, was benötigt wurde.

Die Hilfsgüter waren ein Segen für die Betroffenen. Eine Spendenempfängerin war sehr gerührt und verabschiedete sich mit den Worten: „Sag’ bitte den Leuten, die das Geld gespendet haben, dass wir das nicht vergessen werden.“

Vielen herzlichen Dank allen Spendern und Helfern, danke STS Horn für die tolle Unterstützung und sensationelle Teamleistung!

Emina Dizdarevic